Universitätssportverein Jena e.V.
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Die Gründung des USV Jena e. V. und seiner Vorläufer

Der USV Jena e. V. wurde am 8. März 1911 als Verein für Bewegungsspiele (VfB) Jena e. V. gegründet. Die Gründungsväter sprachen damals, „vorzugsweise akademische Kreise“ an, wie man in zeitgenössischen Quellen lesen kann. In der ersten Generalversammlung des VfB wurden als Vorstand gewählt: I. Vorsitzender der Student der Kameralistik Oskar Leonhardt; II. Vorsitzender der Kaufmann E. Brand; Schriftführer der Bankbeamte Richard Welzel; Kassierer der Mechaniker Curt Willers und Sportwart Eugen Popp.

Bei der Universität wurde der VfB wie eine akademische Verbindung angemeldet, damit Studenten ohne Einschränkungen am Sportbetrieb teilnehmen konnten. Die eingeschriebenen Studenten wurden im VfB in einer eigenen Abteilungen zusammengefasst.

Als Sportarten wurden bei der Gründung zuerst Leichtathletik und Fußball betrieben, aber sehr schnell kamen weitere Sportarten wie Hockey, Schwimmen und Wintersport hinzu. Eine Sonderstellung nahmen die Tennisspieler ein. Bereits 1908 wurde in Jena ein Tenniswettspielverein gegründet. Zu den Gründungsvätern 1908 gehörte der Jenaer „Sportpionier“ Hermann Peter, der auch 1911 als Mitgründer des VfB angesehen werden kann. Beim Tenniswettspielverein fungierte er als Schriftführer, und beim VfB wurde er als Förderer neben dem Verlagsbuchhändler Eugen Diederich, Prof. Dr. Ludwig Knorr, Oberhofmarschall a. D. v. Meyenburg, dem Universitätsfechtlehrer Seemann-Kahne und dem Oberbürgermeister Dr. Heinrich Singer genannt. Der Tenniswettspielverein schloss sich später als selbstständige Abteilung dem VfB an.

Die Tennisspieler hatten einen eigenständigen Kopfbogen, wo die Zugehörigkeit zum Verein für Bewegungsspiele ausgewiesen war.
Das 1905 unter Leitung von Hermann Peter erbaute Tennishaus wurde zum Mittelpunkt des Vereinslebens für die Tennisspieler und im Winter für die Schlittschuhläufer und Eishockeyspieler

Als Sportanlage nutzte der VfB die Sport- und Spielplätze in der Oberaue, die vom „Spielplatzverein“ Hermann Peters seit 1893 aufgebaut worden waren.

Einige studentische Verbindungen, wie die „Salia“, die „Normannia“ und die „Gothania“ waren zeitweilig kooperative Mitglieder des VfB.

 

Der VfB entwickelte sich rasch und hatte 1912 schon über 200 Mitglieder, davon waren in der akademischen Abteilung 95. 1913 wurde Dr. med. Sigurd Hiltmann (Hyg. Institut) als Vorsitzender des VfB geführt, der Mathematikstudent Georg Feige war II. Vorsitzender und Bankbeamter Richard Welzel III. Vorsitzender. Im Adressbuch 1913 wurde für den VfB als Sitz der Geschäftsstelle das Geschäft von Richard Dannemann in der Johannisstr. 24 benannt. Die Hauptabteilung leitete E. Popp, die akademische Abteilung O. Leonhardt, die Damenabteilung ein Frl. Gertrud Erdmann. Als Sportarten sind Fußball, Land- und Eishockey, Leichtathletik, Lawn-Tennis und Turnen registriert.

Mit dem Kauf der Sport- und Spielplätze im Jahre 1914 durch die Universität und der Einstellung eines Universitäts- Turn- und Sportlehrers, Hermann Eitel, bekam die Zusammenarbeit zwischen VfB und Universität eine neue Qualität, die aber erst nach dem I. Weltkrieg (1914 – 1918) richtig zum Tragen kam.

Bis zum Kriegsbeginn Ende Juli 1914 hatte der VfB schon ein umfangreiches Wettkampfsystem aufgebaut bzw. beteiligte sich an Punktspielen im Fußball und Hockey. Als deutschlandweit bekannteste Sportveranstaltung, die der VfB ins Leben gerufen hatte und die bis in die 1930er Jahre unter verschiedenen Namen existierte, muss man den Leichtathletikwettkampf „Nationales Olympia“ ansehen, welcher 1912 erstmals ausgetragen wurde. Im Gründungsjahr war sogar ein Großteil der deutschen „Olympiakandidaten“ für die Spiele von 1912 in Stockholm in Jena am Start.

So wurden bis in die Mitte der 1920er Jahre die Läufe organisiert, hier das älteste Foto von 1912.

Mit Beginn des I. Weltkriegs änderte sich die Zusammensetzung des Vorstands mehrfach, da ein Großteil der Männer an die Front ging. 1915 taucht als Vorsitzender des VfB Fritz Zeits (Universitätsbeamter, später auch als Hilfsbeamter bezeichnet) auf. Kassierer war der Fabrikant Curt Willers, der es dann für längere Zeit blieb. Zum Vorstand gehörte außerdem der Kaufmann Erich Strak. Später wurden der Kaufmann Fritz Starke und dann der Techniker Otto Berger Vorsitzender.

Ab März 1919 ist Oskar Leonhardt wieder I. Vorsitzender. 1920 wurde wegen Weggangs von Leonhardt nach Altenburg der Chemiestudent Hans Götting als Vorsitzender des VfB gewählt. Dem folgte 1921 Georg Kanold. 1924 taucht der Kaufmann Walter als I. Vorsitzender des VfB auf, dann 1929 Walter Dittmar. Die Geschäftsstelle befand sich zu dieser Zeit im Sporthaus Berger. 1931 erfolgte die Wahl des Studienrats Dr. Willy Völker zum I. Vorsitzenden, der es dann bis im April 1942, also für 11 Jahre blieb. 1942 gab Völker seine Funktion ab, wohl auch weil er einen Lehrauftrag an der Uni übernommen hatte. Paul Lange (Ratsherr und Kreisamtsleiter) wurde daraufhin zum Führer des VfB bestimmt.

Mitte der 1920er Jahre schließt der VfB mit der Universität einen Vertrag zum Bau einer Leichtathletikanlage und eines Sportheims auf den Universitätsplätzen ab. Der Verein übernimmt den Bau und erhält dafür in Gegenleistung die Möglichkeiten seinen Sportbetrieb auf der Anlage unentgeltlich durchzuführen. In Abstimmung mit dem Universitätsturn- und Sportlehrer werden die Trainings- und Wettkampfzeiten vergeben. Fremdnutzer müssen an die Universität eine Miete bezahlen.

Das in den 1920 Jahren erbaute Vereinsheim, im Vordergrund Luise Lockemann beim Hochsprung

Diese enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen VfB und Universität drückt sich auch darin aus, dass bei Hochschulmeisterschaften sehr häufig Sportler des VfB für die Universität antraten. In den Spielsportarten waren die Mannschaften der akademischen Abteilung des VfB häufig identisch mit der Universitätsmannschaft.

Fritz Huhn beim Hochsprung auf einem Zigaretten-Sammelkärtchen

Die bekanntesten Sportler des VfB bis 1945 waren die Leichtathleten Fritz Huhn, Olympiateilnehmer 1928 im Hochsprung, Siegfriede Weber-Dempe (Studentenweltmeisterin über 80m Hürden) und Luise Lockemann (Studentenmeisterin im Hoch- und Weitsprung).

Mit der Gründung des Instituts für Leibesübungen und der Konzentration des Universitätssports an diesem Institut, verlor der VfB in der Zeit des Nationalsozialismus an Bedeutung für den Hochschulsport, wobei er sich weiter für die Wartung- und Pflege der Universitätssportplätze zuständig fühlte.

Mit dem Ende des II. Weltkriegs 1945 wurden durch die alliierten Siegermächte alle Sportvereine in ganz Deutschland verboten. Während in den westlichen Besatzungszonen in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre die meisten Sportvereine wieder ihren Sportbetrieb aufnahmen, wurde in der „sowjetisch“ besetzten Zone die Sportvereine enteignet und den Kommunen übertragen. Das Vereinsvermögen des VfB betrug damals 31.586,72 RM.

 

Erst 1949 kam es auf Grund zentraler Bestimmungen des „Deutschen Sportausschuss“ zur Gründung von Betriebssportgemeinschaften unter dem Dach des „Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes“ (FDGB) und der „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ). Unter dem Namen Hochschulsportgemeinschaft (HSG) wurde am 13. April 1949 in der Mensa der Jenaer Universität eine Betriebssportgemeinschaft der Universität gegründet. Ihr erster Vorsitzender war der Student Bernd Schwalbe. Etwa 100 Studierende und Universitätsangehörige waren zur Gründungsversammlung gekommen. Die HSG startete mit den Sparten Boxen, Fußball, Gymnastik, Handball, Leichtathletik, Schach, Schwimmen, Tennis, Tischtennis, Turnen, Wassersport und Wintersport.

Nach Vorgaben des Sportverbandes Wissenschaft wurde das erste Logo der HSG Anfang der 1950er Jahre geschaffen

Bereits 1946 hatte der Sportbetrieb nach dem Krieg an der Universität wieder begonnen. Er wurde vor allem von Studierenden ins Leben gerufen. Es gab aber damals kaum Mitglieder des ehemaligen Vereins für Bewegungsspiele (VfB), die an der Universität studierten bzw. tätig waren. Lediglich Walter Wurzler, der als Student zeitweilig dem VfB angehörte, bekam beim Aufbau der Sportlehrerausbildung bis in die 1950er Jahre eine wichtige Rolle und gehörte auch zu den Gründern der HSG. Bis in die 1960er Jahre war er in verschiedenen Leitungsfunktionen, zuletzt in der Revisionskommission unseres Vereins tätig.

Betriebsausweis von Walter Wurzler von 1948 noch zweisprachig, gültig für die Sowjetische Besatzungszone

Mit Hilfe von Sportlern der Betriebssportgemeinschaft „Schott“ gelang es, die Universitätssportstätten teilweise wieder nutzbar zu machen. Sportreferenten des Studentenrates, wie Wolfgang Möhring entwickelten bis 1948 ein breites sportliches Angebot; vor allem in der Leichtathletik, im Handball, im Fußball und im Wintersport.

 

Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich dann die HSG Jena zu einer der größten Sportgemeinschaften des Bezirkes Gera und zählte zur Wende 2500 Mitglieder in 15 Sektionen. Als Vorsitzende bis 1990 waren u. a. Gerhard Rauschenbach, Heintz Keitz, Georg Pfeiffer und Prof. Dr. Günther Drefahl tätig. Lange Jahre koordinierte Eberhardt Täubert die Arbeit in der HSG als Geschäftsführer.

Prof. Dr. Günther Drefahl, ehemaliger rektor und langjähriger Vorsitzender der HSG beim Tennis

Die HSG pflegte noch engere Beziehungen als ihr Vorgänger, der VfB, zur Universität. Dies war schon dadurch bedingt, dass die HSG gesetzlich festgelegt direkte finanzielle Unterstützung über die Universität bekam, die Universitätssportstätten kostenfrei für Training und Wettkampf zur Verfügung standen und die Mitarbeiter des Instituts für Köpererziehung, später Sektion Sportwissenschaft, teilweise im Rahmen ihrer dienstlichen Verpflichtungen Aufgaben für die HSG übernahmen. Der Lehrbereich Studentensport mit seinen mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sicherte von der Leitung, der Führung der Geschäftsstelle bis zum Übungs-Trainings- und Wettkampfbetrieb in vielen Sportarten der HSG den Sportbetrieb ab. Seit den fünfziger Jahren war die HSG DDR-Leistungszentrum besonders für die Leichtathletik und den Kanusport. Für Volleyball und Basketball wurde sie zum Motor beim Aufbau dieser Sportarten in Thüringen. Im Kinder- und Jugendsport leisteten die HSG-Trainer Spitzenarbeit im Judo, in der Rhythmischen Sportgymnastik und im Basketball. Die Verantwortlichen der HSG konzentrierten sich jedoch vor allem auf die Entwicklung eines regelmäßigen Übungs- und Wettkampfbetriebes im Studentensport. 476 Medaillen bei DDR-Studentenmeisterschaften und Pokalwettkämpfen zwischen 1950 und 1990, die von Studierenden der Friedrich-Schiller-Universität errungen wurden, sprechen eine deutliche Sprache für die Leistungsfähigkeit des Studentensports jener Zeit.

Inge Plonka war in den 1950er Jahren die erfolgreichste Kanutin der HSG mit vielen Meistertiteln

Zu den bekanntesten Veranstaltungen, die noch heute zum Ruhm und Ansehen des USV beitragen gehören der GutsMuths-Rennsteiglauf (gegründet von HSG Sportlern 1973) und der Jenaer Kernberglauf (1977).

Die vier HSG Mitglieder, die den Rennsteiglauf begründeten Jens Wötzel, Wolf-Dieter Wolfram, Hans-Georg Kremer und Hans-Joachim Römhild

Mit der politischen Wende von 1990 kam es auch im Jenaer Studentensport zu folgenreichen Veränderungen. Zunächst wurde Sport als Pflichtfach für die Studenten abgeschafft. Die Veränderung der politischen Rahmenbedingungen und die Möglichkeit gemeinnützige Vereine wieder gründen zu dürfen, führte am 30. Mai 1990 im Rahmen einer Delegiertenkonferenz der HSG zur Gründung des Universitätssportvereins Jena e. V. (USV Jena e. V.) als Rechtsnachfolger der HSG. Zur Gründung waren 24 Sportsektionen mit 1300 Mitgliedern durch Delegierte vertreten. Mit der Umstrukturierung der Sportwissenschaft und des Lehrbereiches Studentensport in den Hochschulsport, mit nur noch vier Mitarbeitern, vollzog sich auch eine grundlegende Veränderungen in der gesamten Organisation des USV bis zu den einzelnen Abteilungen.

Gründungsversammlung des USV Jena 1990 links der neue Vorsitzende Wilhelm Tell, Bildmitte der Präsident des Landessportbundes Prof. Dr. Manfred Thieß, rechts der langjährige HSG-Geschäftsführer Eberhard Täubert

Der USV übernahm schrittweise Aufgaben bei der Ausgestaltung des Hochschulsports, wofür er kostenfrei die Sportstätten der Universität nutzen durfte. Von den vier Mitarbeitern des Hochschulsports wurden bis 1994 die wesentlichen Eckpunkte das „Jenaer Models des Hochschulsports“ entwickelt und grundsätzlich vertragliche Vereinbarungen zwischen Universität und Verein erarbeitet, die heute noch Grundlage für die Vereinsentwicklung sind.

 

Heute umfasst der USV Jena mit 3250 Mitgliedern, organisiert in 27 Abteilungen, weit mehr aktive Sportler als die HSG je hatte. Neue Sportarten hielten Einzug im Vereinsangebot, traditionsreiche Sportarten wie Leichtathletik und Wintersport verloren hingegen zunehmend an Bedeutung. Darüber hinaus bemühte sich die neue Leitung des USV Jena in enger Zusammenarbeit mit dem Bereich Hochschulsport um die Sicherung der Sportstätten. So wurde ab Mitte der 1990er Jahre massiv in Erhalt und Neubau investiert. Sowohl im Universitätssportzentrum in der Oberaue als auch auf dem Gelände des Institut für Sportwissenschaft entstanden neue Tennisplätze, Kunstrasen-Fußball, -Tennis und -Volleyballplätze, zwei Beachanlagen, eine Kampfsporthalle sowie eine Dreifelderhalle, an deren Finanzierung alle USV-Mitglieder maßgeblich beteiligt waren. Dies wurde aber nur durch die ständige Weiterentwicklung der Zusammenarbeit der Universität und des USV Jena e. V. im Rahmen des „Jenaer Modells des Hochschulsports“ möglich.

Die USV-Sporthalle 2008 nach ihrer Fertigstellung

Als Vorsitzende bzw. Präsidenten des USV Jena e. V. wirkten seit 1990 Wilhelm Tell, Prof. Dr. Lutz Wenke, Prof. Dr. Karl-Ulrich Meyn, Prof. Dr. Rolf Steyer, Prof. Dr. Andreas Freytag, Prof. Dr. Volker Gast und derzeitig Prof. Dr. Christian Lukas.

 

Dr. H. Kremer