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Interview mit dem geschäftsführenden Vorstand zur aktuellen Situation


Durch die Ausbreitung des Coronavirus sind aktuell alle öffentlichen und privaten Sporteinrichtungen geschlossen. Davon betroffen ist natürlich auch der USV Jena, Thüringens größter Mehrspartenverein. Der Geschäftsführende Vorstand hat dennoch und gerade deswegen alle Hände voll zu tun. In diesem Interview geben Prof. Dr. Christoph Englert, Dr. Andrea Altmann und Thomas Fritsche einen EInblick in die derzeitige Situation.

 

Zunächst einmal: Wie geht es Euch?

 

Christoph Englert: Nach einer 14-tägigen Quarantäne (ich war einen Tag in Bonn/NRW gewesen) genieße ich jetzt wieder die frische Luft und die Freiheit, auch wenn sie derzeit eingeschränkt ist.

 

Thomas Fritsche: Mir geht es auch ganz gut, aber das Training fehlt natürlich. Besonders weh tut das vorzeitige Saisonende meines Teams in der Regionalliga, zumal wir um die Meisterschaft gespielt haben.

 

Andrea Altmann: Mir geht es ebenfalls gut. Die Umstände sind schon sehr speziell, aber die erlebte Solidarität und Unterstützung untereinander geben täglich neue Kraft.

 

Der Sportbetrieb im UNISPORT ist nun schon seit zwei Wochen eingestellt. Zuletzt ging es ja Schlag auf Schlag. Gebt doch mal einen kurzen Einblick, wie Ihr Euch abgesprochen und Entscheidungen getroffen habt.

 

Christoph Englert: In der Phase vor der Schließung des Sportbetriebs haben Andrea, Thomas und ich täglich miteinander gesprochen und die Maßnahmen abgestimmt. Wir haben uns dabei sowohl an den Vorgaben der Stadt als auch an denen der Universität orientiert. Letztlich blieb uns nichts anderes übrig, als den Sportbetrieb zu schließen, da körperliche Nähe beim Sport aber auch z.B. in der Umkleidekabine oder der Sauna unvermeidbar ist und damit das Infektionsrisiko zu hoch war.

 

Wie habt Ihr mit den Mitgliedern und Teilnehmenden kommuniziert?

 

Thomas Fritsche: Wir haben jeweils über unsere Medien, also Webseite und Social Media, als auch direkt per E-Mail informiert. Dazu haben wir auch die Abteilungsleitungen jeweils informiert, da sie meist näher an den Mitgliedern dran sind. Zusätzlich haben wir an den Sportstätten Informationen ausgehängt.

 

Wie organisiert Ihr die Arbeit in der Geschäftsstelle aktuell?

 

Andrea Altmann: Das ist in der Tat eine herausfordernde Aufgabe. Aber dank einer guten technischen Ausstattung, die wir in den letzten Jahren sukzessive aufgebaut haben, kann die Mehrheit unsere Beschäftigten im Homeoffice arbeiten und dies ohne größere Einschränkungen. Viele Mitarbeitenden hatten diese Möglichkeit auch schon vor der Krise tageweise genutzt. Unsere wöchentliche Dienstberatung findet zudem als Videokonferenz statt und die Ressortleiterinnen und Ressortleiter treffen sich nun ebenfalls einmal wöchentlich im Videochat. Darüber hinaus haben wir kleinere Teams gebildet, die in engem online-basierten Austausch miteinander das Alltagsgeschäft bewältigen, aber vor allem auch Projekte weiterbearbeiten und voranbringen. Uns ist es wichtig, die Zeit gut zu nutzen. Wir sehen es auch als Chance neue Formen der Zusammenarbeit zu testen.


Ihr seid also gut auf die Arbeit im Homeoffice und so dezentral vorbereitet gewesen?

 

Thomas Fritsche: Wir haben schon vor einigen Jahren eine Digitalisierungsstrategie begonnen und sind deshalb gut aufgestellt. Neben Laptops, um zu Hause arbeiten zu können, haben wir einiges an Software im Einsatz, die uns auch dezentral zusammenarbeiten lässt. Die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlich Engagierten ist ja auch nicht immer in der Geschäftsstelle zu organisieren.

 

Welche Auswirkungen hat die aktuelle Situation und welche Konsequenzen habt Ihr aktuell schon gezogen?

 

Andrea Altmann: Wir mussten den Sportbetrieb inmitten des Programms der vorlesungsfreien Zeit abbrechen. Über den Sportbetrieb im Sommersemester lassen sich aktuell keine verlässlichen Prognosen tätigen. Auch unser komplettes Kinder- und Familienangebot ruht, die Vermietung unserer Sport- und Betriebsstätten ist nicht mehr möglich. Wir gehen somit von erheblichen Einnahmeverlusten aus. Zugleich haben wir nicht unerhebliche Fixkosten zu stemmen. In der Folge prüfen wir derzeit alle einnahme- und ausgabenseitigen Optionen. So haben wir z.B. erstmals in der Geschichte des USV Jena Kurzarbeitergeld angemeldet, schauen, ob es konkrete Fördermaßnahmen für Sportvereine seitens der Bundes- oder Landesregierung oder des Landessportbunds gibt und hinterfragen natürlich auch jede geplante Ausgabe im Verein und Hochschulsport. Einige der für 2020 geplanten Investitionsmaßnahmen wurden bereits zurückgestellt.

 

Wie ist die Kommunikation mit den übergeordneten Organisationen? Bekommt Ihr hier Unterstützung?

 

Andrea Altmann: Die gegenseitige Unterstützung der Sportgemeinschaft war und ist auch in dieser Zeit vorhanden. Es gibt es einen intensiven Austausch mit anderen Hochschulsporteinrichtungen und auch dem adh, dem Dachverband der deutschen Hochschulsporteinrichtungen. Allein letzte Woche hatten wir zwei Videokonferenzen und einen regen Emailverkehr. Wir teilen Erfahrungen, Wissen und unterstützen uns bei offenen Fragestellungen. Genau, dass ist es, was ein gutes Netzwerk ausmacht.

 

Thomas Fritsche: Viel Unterstützung kommt auch vom Freiburger Kreis, die Interessensvertretung der großen Sportvereine in Deutschland, dem der USV Jena angehört. Er informiert regelmäßig über aktuelle Entwicklungen und bietet Hilfestellungen an. Von Seiten des Landessportbundes folgt jetzt eine Abfrage, welche Folgen die Einstellung des Sportbetriebs haben wird, um der Politik einen möglichst guten Überblick über die Probleme geben zu können.

 

Gibt es aktuell Dinge, für die aktuell sogar mehr Kapazitäten sind? Und welche positiven Dinge einer solchen Krise, so absurd das klingen mag, könnt Ihr Euch hier vorstellen?

 

Christoph Englert: Mein Engagement für den USV hat sich in den letzten Wochen in puncto zeitlichem Aufwand nicht verringert. Ganz im Gegenteil. Insofern hat mir Corona keine zusätzlichen Kapazitäten beschert.

 

Auch wenn es angesichts der erheblichen Zahl an Corona-Opfern zynisch klingen mag, so steckt auch in dieser Krise eine Chance. Wir lernen, dass wir uns auf solche Pandemien besser vorbereiten und vielleicht auch noch einmal in das Gesundheitswesen investieren müssen. Die Krise zeigt auch, dass wir bezüglich Digitalisierung in Deutschland noch nicht optimal aufgestellt sind. Auch die Abhängigkeiten von Produkten wie Lebensmittel oder Medikamente, die zum Teil weit weg produziert werden, wird man hinterfragen müssen.  Letztlich zeigen uns Quarantäne, Ausgangssperren und Kontaktverbote auch, wie wesentlich Freiheit, soziale Kontakte und Mobilität sind; Dinge, die wir immer für selbstverständlich gehalten haben und jetzt wieder neu schätzen lernen.

 

Thomas Fritsche: Bezogen auf den UNISPORT lernen wir gerade eine andere Art von Teamwork. Dann ist für die meisten Kollegen das Tagesgeschäft nicht so ausgeprägt aktuell und sie haben mehr Zeit, sich Projekten für die Weiterentwicklung des UNISPORTS zu widmen. Um mit unseren Mitgliedern und Teilnehmenden in Kontakt zu bleiben haben wir bspw. einen Instagram Account eingerichtet. Das hatten wir schon länger im Kopf, aber hatten es aus Mangel an Kapazitäten bisher nicht umgesetzt.

 

Andrea Altmann: Wir stehen mit unseren Kollegen und Kolleginnen deutschlandweit und in ganz Europa in Kontakt. Alle beschäftigen sich aktuell mit dem Thema, wie auch bei einem längerfristigen Aussetzen des Sportbetriebs ein vielfältiges und anspruchsvolles Sportprogramm bereitgestellt werden kann. Ich bin mir sicher, dass solche Formate auch nach Aufhebung der Beschränkungen ein fester Bestandteil des Sportprogramms sein werden. Aber wir haben natürlich auch viele Sorgenfalten auf der Stirn. Unsere Haupteinnahmequellen im Hochschulsport und im Verein sind die Kursentgelte und Mitgliedsbeiträge.

 

Ihr habt den neuen Instagram Account angesprochen, wie wird das Angebot angenommen?

 

Thomas Fritsche: Sehr gut bisher, wir sind innerhalb einer Woche auf über 2.000 Follower gekommen und haben vier Kurse live übertragen. Hier haben im Schnitt über 200 Follower mitgemacht, das war klasse!

 

Denkt über eine Ausweitung nach? Vielleicht auf andere Plattformen, mehr Inhalt, länger verfügbar?

 

Thomas Fritsche: Wir haben eine Projektgruppe, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Es gibt da eine ganze Reihe von Themen zu besprechen wie technische und rechtliche Voraussetzungen oder inhaltliche Fragen.


Gibt es noch etwas, dass Ihr den Teilnehmenden und Mitgliedern mitgeben wollt?

 

Christoph Englert: Wir erleben im Moment ja eine Debatte, in der sich einige für strikte Isolierung besonders von Risikopersonen und Kontaktverbote aussprechen. Andererseits gibt es zunehmend mehr Stimmen, die darauf verweisen, dass auch das Einschließen der Menschen verschiedene Risiken wie Zunahme der häuslichen Gewalt oder auch mehr Depressionen mit sich bringt. Wir müssen uns alle überlegen, wie wir die Bereiche, für die wir Verantwortung tragen, wieder ins Laufen bringen. Dabei muss immer wieder neu zwischen den beiden geschilderten Positionen abgewogen werden. Das gilt auch für den USV. Ich hoffe sehr, dass wir bald ein Szenario haben, in dem wir daran denken können, die Sportstätten des USV, vielleicht in einem mehrstufigen Prozess wieder öffnen können. 

 

Andrea Altmann: Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation Tedros Adhanom Ghebreyesus bringt es gut auf den Punkt:  

 

"Solidarität muss in diesen Zeiten ansteckender sein als das Virus selbst. Auch wenn wir Distanz zueinander halten müssen. Der Grundsatz laute jetzt die Krise gemeinsam zu überstehen.“


30.03.2020 13:23