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GutsMuths-Rennsteiglauf und der USV Jena

Im Frauenbasketball gibt es weniger Egomanen

Thomas Fritsche im OTZ Interview


Foto: Christoph Worsch

Läuft gerade bei den Basketballerinnen der USV VIMODROM Baskets Jena, schließlich konnten sie am vergangenen Wochenende über den TV Schwachbach mit 85:49 triumphieren und stehen nun an der Spitze der Regionalliga. Was das Geheimnis des derzeitigen Erfolges beim den Jenaerinnen ist verriet Trainer Thomas Fritsche, der auch die Besonderheiten des Frauen-Basketballs erklärte und auch ein wenig über das Thema Aufstieg sinnierte.

 

Glückwunsch, Sie haben mit ihrem Team Tabellenplatz eins. Wie verlief denn die Saison bis jetzt für ihre Spielerinnen und sie?

 

Bis jetzt lief es extrem gut, was wiederum im Vorfeld so gar nicht zu erwarte war, schließlich haben uns vor der Saison mit Sandra Amoah und Lilly Feistkorn zwei richtig gute Spielerinnen verlassen.

 

Und was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?

 

Die Defensive, wir haben unseren Schwerpunkt dahingehend geändert – und davon profitieren wir nun ungemein. Meine Spielerinnen haben dieses Konzept auch sehr gut angenommen und verteidigen das ganze Spiel über äußerst entschlossen. Das ist in gewisser Weise auch eine Mentalitätsfrage, ob man denn gewillt ist, die gesamte Partie über so intensiv zu verteidigen. In der vergangenen Saison waren wir noch sehr offensiv ausgerichtet, doch nachdem uns Sandra und Lilly verlassen haben, mussten wir uns neu ausrichten.

 

Sie haben in Ihren Reihen auch recht junge Spielerinnen. Ziehen die mit?

 

Sehr sogar. Dank der Spielweise können wir sie auch sehr gut einbinden. Annika Schwarz, Lena Rothämel oder Leoni Hartmann und die anderen Spielerinnen machen ihre Sache gut. Das hilft uns schon.

 

Wer sind die Schlüsselspielerinnen in Ihrer Mannschaft?

 

Sicher Alexandra Ruppe und Denise Alkewitz als Spielerinnen, die lange dabei sind, viel Erfahrung haben und das Team führen. Dazu gesellt sich noch Juliane Riebel mit einer sehr guten Saison, die jedoch nur ungern in der ersten Aufstellung steht, dafür aber sehr viel Energie von der Bank mitbringt. Sie recht groß und sehr variabel einsetzbar, gleich ob Offensive oder Defensive, alles stets mit sehr viel Einsatz.

 

Spielt das Thema Aufstieg eine Rolle?

 

Nicht für die kommende Saison, denn der Niveausprung von der Regionalliga in die 2. Bundesliga ist enorm. Außerdem wollen wir die jungen Spielerinnen in das Team integrieren, und das funktioniert in der Regionalliga einfach besser als in der zweithöchsten Spielkasse. Darüber hinaus müssten wir wohl neue Spielerinnen verpflichten, müssten also auch Geld in die Hand nehmen, ich denke, dass sich das dann auch auf das interne Mannschaftsgefüge negativ auswirken würde, da die die jetzigen Leistungsträgerinnen ja auch in der 2. Liga spielen wollen.


Ist die 2. Liga vielleicht in ein paar Jahren ein Thema?

 

Das schon eher. Wir arbeiten gerade mit dem Thüringer Basketballverband daran, dass wir perspektivisch Spielerinnen konstant auf einem sehr hohen Niveau ausbilden können. Wenn uns das gelingen sollte, spricht nichts gegen diesen Schritt, doch dafür benötigen wir wohl noch vier, fünf Jahre.

 

Welchen Stellenwert genießt denn der Frauen-Basketball in Thüringen?

 

Der Frauen-Basketball besitzt seitens des Verbandes eine sehr große Priorität. Dafür haben der Thüringer Basketballverband gemeinsam mit dem Landesportbund, dem USV Jena und Science City Jena einen hauptamtlichen Trainer für die kommenden drei Jahr angestellt, der sich unter anderem um die Entwicklung des weiblichen Basketballs in Thüringen kümmern soll – in der Breite, aber auch in der Leistungsspitze. Es gibt ein U16-Team, die VIMODROM Baskets Girls Academy Thüringen, die gerade in der Mitteldeutschen Liga Meister geworden ist. Dabei handelt es sich um ein Gebilde, das sich aus fünf Vereinen aus eben Thüringen rekrutiert: Ladybaskets Jena, Science City Jena, BC Erfurt, Mühlhausen und Gotha. Doch Priorität genießt erst einmal die Breite, wir brauche eine gewisse Masse an Spielerinnen, denn letztlich ist es ja so, dass weit mehr Jungen Basketball spielen als Mädchen. Erst wenn diese gegeben ist, kann man dann im zweiten Schritt über Leistungssport sinnieren. Für die Umsetzung dieser Ziele ist nun Mahir Solo mit an Bord. Er arbeitet mit den Vereinen in Thüringen in puncto Nachwuchs zusammen, macht Fördertraining und hat auch das Kommando über die U16 in der Mitteldeutschen Liga. Außerdem ist er Co-Trainer beim USV Jena. Kurzum: Er ist nah dran.

 

Und wo befinden sich die Hochburgen in Sachen Frauen-Basketball in Thüringen?

 

Jena, ganz klar, aber auch in Erfurt und in Gotha tut sich diesbezüglich etwas. Hier und da taucht immer wieder einmal ein Talent auf. In Mühlhausen gibt es eine vielversprechende Spielerin, die nun an das Sportgymnasium in Jena wechseln wird.

 

Glauben Sie, dass Basketball eine attraktive Sportart für Mädchen und Frauen ist?

 

Basketball kann zweifelsohne ein toller Sport für Frauen sein.

 

Ist es eigentlich schwieriger, Frauen zu trainieren?

 

Schwieriger nicht, aber anders.

 

Können Sie das ein wenig ausführen.

 

Es gibt bei den Frauen weniger Egomaninnen. Meines Erachtens wollen sie eher als Team fungieren. Es gibt selten die eine Spielerin, die alles am liebsten im Alleingang richtet. Das bringt jedoch auch den Nachteil mit sich, dass dann in den entscheidenden Momenten manchmal die eine Spielerin fehlt, die das Kommando an sich reißt und Verantwortung übernimmt. Außerdem ist Frauen-Basketball nicht so athletisch wie jener der Männer, dafür kann man in taktischer Hinsicht mehr unternehmen. Taktik ist in diesem Metier sehr wichtig.

 

Letzte Frage: Was wünschen Sie sich für diese Saison?

 

Es mag jetzt ein wenig seltsam klingen, doch mit einem Platz unter den ersten Drei wäre ich absolut zufrieden. Wir führen zwar gerade die Liga an, doch man darf nicht vergessen, dass wir noch ein paar schwierige Spiele vor uns haben. Wichtig ist mir, dass wir bei allen Spielen an unserem eigenen Stil festhalten.

 

Das Interview führte Marcus Schulze, Sportredakteur bei der Zeitungsgruppe Thüringen für die Ausgaben der TLZ und OTZ vom 05.02.2020.


06.02.2020 08:23