Universitätssportverein Jena e.V.
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Offene Trainingseinheiten der Damen und Herren im Basketball

Englische Woche in Jena


Schlammschlacht in Freiburg

Eine Traube von Menschen steht am Samstag um 5:45 in der Früh vor dem Irish Pub im thüringischen Jena. Für eine Studentenstadt ist dies kein außergewöhnlicher Anblick. Außergewöhnlich jedoch ist, dass anstatt Bierflaschen, Kaffee und Energiedrinks durch die Reihen gereicht werden. Während sich hier und da noch die letzten Studenten lallend auf den Weg ins warme Bett machen, bereiten sich die Spieler des USV Jena Rugbyteams „Fiddlers Green“ mental auf die 550km lange Fahrt nach Freiburg vor. Nachdem die letzten Nachzügler der Mannschaft eingetroffen sind, setzt sich der Konvoi, bestehend aus 4 Autos, in Bewegung.

Noch vor einer Woche war dieser Konvoi in Richtung Norden unterwegs. Ziel war nicht Freiburg im Breisgau, sondern die Reeperbahn in St. Pauli / Hamburg. Grund für diese Fahrt war allerdings nicht das Hamburger Nachtleben, sondern ein Auswärtsspiel gegen St. Pauli. Da der langersehnte Sommer dieses Jahr einige Wochen auf sich warten lies, mussten die ersten Spiele der Rückrunde verschoben werden. Auch wenn Rugbyspieler natürlich aus hartem Holz geschnitzt sind und sich keineswegs als Schönwettersportler bezeichnen würden, mussten man sich leider der Entscheidung der Platzwarte beugen, die die Spielfelder nicht freigeben konnten. Dies führte dazu, dass Jena innerhalb von sieben Tagen eine englische Woche hatte und deswegen am Mittwoch, dem 1.Mai, auswärts in Dresden spielte.

Für Freiburg und Jena stand nun das erste Spiel der der Play-offs an. Dies bedeutete, dass nur eine der beiden Mannschaften sich für die nächste Runde qualifizieren kann. Als Siebenter der Nord/Ost-Gruppe musste man für das erste KO-Spiel im Achtelfinale beim Freiburger RC, dem Zweiten im Süd-westen, antreten. Tendenziell gilt die Süd/West-Gruppe als die stärkere, insbesondere mit der Rugbyhochburg im Raum Heidelberg.

Nach 550km Fahrt freute sich die Jenaer Mannschaft endlich in der sonnigsten Stadt Deutschlands anzukommen. Es stelle sich jedoch heraus, dass sich das Spielfeld des RV im Umland Freiburgs befand. Man fand kein genormtes Spielfeld vor, sondern einen, in Eigeninitiative und mit viel harter Arbeit bearbeiteten, Acker. Aber genau dies verlieh dem Platz seinen Charme und urtümlichen Charakter. Das durch den Regen am Vortag matschige Spielfeld ließ das Herz eines jeden Rugbyspieler höher schlagen.
Pünktlich um 15 Uhr pfiff der Unparteiische zum Ankick an.

Die Jenaer arrangierten sich mit den Verhältnissen und begannen aggressiv. Speziell die Stürmer präsentierten sich stark, sodass die Standards kontrolliert werden konnten und sich im offenen Spiel immer wieder gute Möglichkeiten ergaben.
Doch bereits wie in den vergangenen Wochen war es eine kurze Unaufmerksamkeit, die zu einem Straftritt gegen Jena führte und von den Freiburgern zum 3:0 genutzt werden konnte.
Anders als in den letzten Wochen ließ man sich allerdings nicht verunsichern und ging direkt wieder mit dem nötigen Druck ins Spiel. In der Folge gab der sehr souverän pfeifende Schiedsrichter einen Straftritt für Jena, der von Tom Kramer zum 3:3 verwandelt werden konnte. Nachdem das Spiel eine Zeit lang als offener Schlagabtausch geführt wurde, erhöhte Freiburg die Taktrate, was zu mehreren Durchbrüchen führte. Die enteilten Spieler Freiburgs wurden jedoch von zurückeilenden Jenaern und dem Fullback Chad Baum ein ums andere Mal gestellt, so dass ein Rückstand zunächst vermieden werden konnte. Ab der 30. Minute wurde der Druck für die Jenaer dann aber doch zu hoch; zwei nicht erhöhte Versuche durch Freiburg waren die Folge. Ein zweiter verwandelter Straftritt sorgte für den 13:6 Halbzeitstand.

Die Halbzeitansage war klar: es musste weiter konzentriert gespielt und sich auftuende Lücken genutzt werden. Dies gelang den Jenaern zunächst auch. Unter anderem eine schöne Passstafette, die letztendlich bei Tom Kramer auf dem Wing landete war das Ergebnis. Ein Versuch konnte allerdings nicht herausgespielt werden. Dies rächte sich Mitte der zweiten Hälfte, als es erneut zu einem Durchbruch der Freiburger kam. Die dadurch entstandene Überzahl konnte nach einem ansehnlichen Passspiel zum dritten Versuch genutzt werden. Die Erhöhung gelang abermals nicht. Alle Versuche der Freiburger in diesem Spiel hatten ein ähnliches Muster. Nach mehreren Sturmphasen und einem guten Spielzug der Freiburger Hinterreihe dauerte es in der Jenaer Verteidigungslinie zu lange sich zu organisieren. Dies gilt es in der nächsten Saison abzustellen. Ein erhöhter Versuch der Freiburger in der 70. Minute sorgte für den Schlusspunkt zum 6:25.
Der Dank geht an die sehr gastfreundliche Freiburger Mannschaft, sowie einen sehr souveränen Schiedsrichter. Im Anschluss an das Spiel wurde Jenas Tobias Schmidt durch das Freiburger Team zum Man of the Match gewählt, während Jena die hervorragend spielende Nummer 10 der Freiburger auserkor.
Gegen 02:30 Uhr am Sonntagmorgen nach insgesamt 1100 Kilometern traf die erschöpfte Mannschaft wieder in Jena ein.

Das Fazit dieses Spiels und der gesamten Saison ist eindeutig: Zwar sind die Gegner in der zweiten Bundesliga den Jenaern noch einen Schritt voraus, doch wirklich chancenlos waren die Rugger des USV selten. Man befindet sich in vielen Bereichen auf Augenhöhe.In den Bereichen in denen dies nicht der Fall ist, muss gearbeitet werden. Nun geht es in die wohlverdiente Sommerpause mit Freundschaftsspielen und Sommerturnieren, zum August dürfte es dann wieder in der 2. Bundesliga weitergehen.

Es spielten: Daniel Butchart-Kuhlmann, Jan von Ahsen, Markus von Rheinbaben, Florian Exner, Christoph Lammert, Marko Kohlmann, Tobias Schmidt, Johannes Eisenberg, Paul Imbert, Christopher Molzahn, Stephan Franzke, Marcus Richter, Andreas Johannes, Tom Kramer, Chad Baum, Tobias Krail, Max Deibert, Karol Kerrane


13.05.2013 15:44 Kategorie: Rugby