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Inklusion im und durch Sport

Unaufhaltsam Richtung Weltspitze

Bei der WM in Estland hat Susen Lösch ihre phänomenalen Ergebnisse aus dem Vorjahr mehr als bestätigt.


Nachdem Till Geiler erfolgreich an der Jugend-Europameisterschaft (Slowakei) teilgenommen hatte und noch bevor Veit Slodowski die Junioren-Weltmeisterschaft in Finnland bestritt, bewies die 23-jährige Susen Lösch in Estland einmal mehr ihre Stärke. Sie konnte ihren 22. Platz über die Langdistanz aus dem letzten Jahr bestätigen und mit dem 21. Platz über die Mitteldistanz sogar unterbieten. Die ebenfalls nominierte Arntraut Götsch konnte dem Wettkampfdruck leider nicht standhalten und lief zweimal ohne Wertung ein.

 

Dass die derzeit beste deutsche Orientierungsläuferin und gebürtige Jenenserin so stark sein würde, war so nicht vorherzusehen. Denn Susen war das letzte Jahr über auf Weltreise.

 

Dass sie den Orientierungslauf und den Leistungssport für ein Jahr einfach so ad acta legen würde, kam für sie überhaupt nie in Frage. So stand bald fest, dass es eine Orientierungslauf-Entwicklungsreise sein würde, die sie mit ihrem Freund quer durch Südamerika führte, wo Orientierungslauf noch so gut wie unbekannt ist und Karten, Strukturen und Trainingspraxis noch ein deutliches Steigerungspotenzial haben.

 

Und obwohl sie für diese Zeit ihr Studium aussetzte und sich auch neben dem Training tagein tagaus mit Orientierungslauf beschäftigte – die Trainingsbedingungen waren einfach nicht mit denen in Deutschland und erst gar nicht mit denen in Schweden, wo sie vor der letzten WM wohnte und in den nächsten Jahren im Rahmen ihres Studiums auch wieder wohnen wird, vergleichbar. Die Zeit war vom Reisen zerstückelt, an den meisten Orten gab es keine hochwertigen Karten und die Konkurrenz im alltäglichen Training – mit das Wichtigste – fehlte fast komplett.

 

Als sie dann nach Europa zurückkam (vorher war sie auch noch in Neuseeland und Australien) merkte sie, dass ihre Form nicht mehr die war, mit der sie abgereist war. Sowohl in läuferischer als auch in orientierungstechnischer Hinsicht war sie, wie sie selbst sagte, „ein Schatten [ihrer] selbst“.

 

Doch irgendwann gegen Ende des letzten Trainingslagers in estnischem Terrain wusste sie eines Tages, dass die Form zurück war. Auf dem Weg Richtung Weltspitze kann sie eben auch nicht ein Jahr mit schlechteren Trainingsbedingungen aufhalten. Wir dürfen die nächsten Jahre sehr gespannt sein.

 

Die WM begann mit dem Einzelsprint in urbanem Gelände. Hier waren die beiden USV-lerinnen nicht gesetzt; es gewannen Maja Alm (Dänemark) und Daniel Hubmann (Schweiz). Auch bei der Sprint-Mix-Staffel (ebenfalls urbanes Gelände), die die schwedische Staffel für sich entschied, kamen sie nicht zum Einsatz.

 

Über die Langdistanz holte sich Susen ihren 22. Platz, während für Arntraut das Rennen schon vor dem ersten Kontrollpunkt (Posten) zu Ende war – sie war durch allerlei Fehler einfach nicht in der Lage ihn aufzufinden. Man denkt vielleicht, dass das ein Anfängerfehler sei, aber genau das Gleiche ist vor wenigen Jahren auch schon einer ehemaligen Weltmeisterin passiert. Orientierungslauf lebt eben auch von der Psyche, was den Sport nur noch spannender macht – vieles ist unvorhersagbar. Die Sieger waren an diesem Tag die Titelverteidiger Tove Alexandersson (Schweden) und Olav Lundanes (Norwegen).

 

Der schon erwähnte 21. Platz für Susen im Mitteldistanzrennen markierte dann die beste deutsche WM-Platzierung seit acht Jahren. Hier nahm sich Arntraut – vom Misserfolg des Vortages mental noch gezeichnet – aus dem Rennen, indem sie sich versehentlich an einem Herren-Kontrollpunkt statt ihrem eigenen registrierte, was sie leider erst im Ziel bemerkte. In diesem Rennen hießen die Sieger wieder Tove Alexandersson, die auch hier Titelverteidigerin war, und Altmeister Thierry Gheorgiou (Frankreich), der danach seine überaus erfolgreiche WM-Karriere beendete.

 

In der klassischen Staffel, die zu dritt und wie Lang- und Mitteldistanz im Wald ausgetragen wird, siegten die Schwedinnen und die titelverteidigenden Norweger. Die deutsche Damenstaffel lief mit Schlussläuferin Susen auf Rang 18 ein (letztes Jahr ein sehr guter 9. Rang), während die Herren einen recht zufriedenstellenden 17. Platz belegten.

 

Das Gelände war im Wald mit sehr viel dichtem Bewuchs und Sümpfen sowie einem diffizilen Höhenprofil versehen. Die Läufer standen oft vor der Wahl, ob sie sich eher querfeldein auf der Luftlinie „durchkämpfen“ sollten, was natürlich auch anfälliger für Orientierungsfehler war, oder ob sie lieber die längere Wegroute in Kauf nehmen sollten, um schneller laufen und Fehler besser vermeiden zu können. Im urbanen Gelände taten sich vor allem die vielen Höhenmeter hervor.

 

Dass die Deutschen Orientierungsläufer (noch) nicht mit um die Titel kämpfen, ist vor allem dadurch zu erklären, dass der Sport hier noch zu unbekannt ist (in Schweden z.B. ist Orientierungslauf seit fast schon einem Jahrhundert Volkssport). Dadurch gibt es insgesamt zu wenig (gesunde!) Konkurrenz (auch wenn es punktuell teilweise besser aussieht) und es fehlen finanzielle Fördermittel, sodass vieles von den Athleten, die bis heute alle Amateure sind, selbst finanziert werden muss.

 

Wie dem auch sei, Jena geht, wie auch ein paar andere Städte und Orte, mit gutem Beispiel voran und im Nachwuchsbereich sieht es zur Zeit auch deutschlandweit nicht schlecht aus.

 

Teil des Nachwuchses ist unter anderem der 16-jährige Till Geiler, der zwar noch gar nicht so lange Orientierungslauf betreibt, es aber immerhin in knapp zwei Jahren bis ins Nationalteam geschafft hat. Er war zwar vorher schon in einer anderen Sportart aktiv und brachte gewisse physischen Grundlagen mit, aber beim Orientierungslauf braucht man vor allem sehr viel Erfahrung was das Orientieren betrifft – man kann vor ihm nur den Hut ziehen. Bei der Jugend-Europameisterschaft in der bergigen und mit sehr vielen Geländedetails versehenen Slowakei hieß es für ihn erst einmal vordergründig Erfahrung mit internationalen Wettkämpfen zu sammeln. Er wurde aber insbesondere für seinen 9. Platz auf der Staffel-Startstrecke gelobt.

 

Ein auch in Jahren und internationalen Einsätzen sehr erfahrener Nachwuchsläufer ist Veit Slodowski. Er ließ in diesem Jahr schon aufhorchen, als er mehrfach die nationale Herrenhauptklasse deklassierte und dort gewann. Über seine Erfolge bei den Junioren-Weltmeisterschaften (bis 20 Jahre), die am 10. Juli 2017 in Tampere/Finnland begannen, werden wir demnächst ausführlich berichten.

 

Joris Hochstetter


13.07.2017 09:20